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Mit geschärftem Profil zu mehr Eigenständigkeit. Das Tanzanian Training Centre for International Health in Ifakara

Gut ausgebildetes Personal stellt das Rückgrat eines jeden leistungsfähigen Gesundheitssystems dar. In vielen Entwicklungsländern besteht jedoch ein gravierender Mangel an qualifiziertem medizinischem Fachpersonal. Das Tanzanian Training Centre for International Health hat das Ziel, durch nachhaltige Entwicklung von Human Resources das tansanische Gesundheitssystem zu stärken.  

Innerhalb weniger Jahre hat sich das Tanzanian Training Centre for International Health (TTCIH), das offiziell im April 2006 eröffnet wurde, von einem unter chronischem Mangel leidenden Clinical Officers’ Training Centre (COTC) zu einem qualitativ hochwertigen Ausbildungszentrum im ländlichen Afrika gewandelt. Unter dem Dach einer Partnerschaft zwischen der Novartis Stiftung, dem tansanischen Gesundheits- und Sozialministerium, dem Schweizerischen Tropeninstitut (STI) sowie der Schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wurden nicht nur die Infrastruktur und die Einrichtungen erheblich verbessert, sondern auch das Management und die Qualität des Unterrichts gestärkt und die finanzielle Eigenständigkeit des Zentrums wesentlich erhöht. Die Herausforderung für die Zukunft liegt darin, die Qualität der Einrichtungen und Ausstattung aufrechtzuerhalten, neue Leistungsangebote aufzubauen und vor allem das Spektrum der intern angebotenen Kurse zur Deckung von Bedarf im In- und Ausland weiterzuentwickeln. Kurzum: Es ist von vitaler Bedeutung für das Zentrum, dass es ein eigenes Profil als Ausbilder für Gesundheitsberufe entwickelt, das es von anderen Zentren im (östlichen) Afrika abhebt.


Das Ausbildungszentrum in Ifakara – eine langjährige Basler Initiative

Die Geschichte des Ausbildungszentrums reicht bis ins Jahr 1961 zurück, als der in Basel ansässige Zoologe Rudolf Geigy zusammen mit Julius Nyerere, dem späteren Präsidenten von Tansania, das Rural Aid Centre (RAC) gründete, den Vorläufer des COTC. Unterstützung erhielten sie dabei von der Basler Stiftung für Entwicklungsländer, die mehrere in Basel ansässige Chemieunternehmen damals für solche Zwecke gegründet hatten. Zusammen mit zwei ganz in der Nähe liegenden Einrichtungen, dem St. Francis Designated District Hospital und dem Feldlabor des Schweizerischen Tropeninstitutes (1957 ebenfalls durch Rudolf Geigy eröffnet) bildete das Zentrum ein einzigartiges Dreieck für medizinische Forschung, Ausbildung und Praxis.

Im Jahr 1973 wurd das RAC in ein Medical Assistant Training Centre (MATC) umgewandelt. 1978 wurde die Einrichtung dann der tansanischen Regierung übergeben und, nach einer Reform des Ausbildungssystems im Gesundheitswesen, in COTC umbenannt.

Obwohl die Ausbildungseinrichtungen und Unterkünfte 1990 von Grund auf renoviert wurden, befanden sie sich zum Ende der 1990er Jahre schon wieder in einem beklagenswerten Zustand. Das war zum einen auf minderwertige Baumaterialien und das tropische Klima zurückzuführen, zum anderen auf mangelhafte Instandhaltung und Managementkompetenz. Zusätzlich verschärft wurde die Lage durch fehlendes Lehrpersonal, veraltete Unterrichtsmaterialien und schlechte Ausstattung. 1998 wandte sich das Schulmanagement in der Hoffnung auf neuerliche Unterstützung an die Novartis Stiftung. Diese bemühte sich um weiter reichende Zusagen für institutionelle und organisatorische Veränderungen seitens des COTC und des Gesundheits- und Sozialministeriums, um ein langfristig gesehen eigenständiges Zentrum aufzubauen.

Eine umfassende Strategie für mehr Eigenständigkeit

Ursprünglich bestand das vorrangige Ziel der Novartis Stiftung und ihrer Partner darin, das Zentrum durch Renovierungsarbeiten und neue Ausstattung wieder instandzusetzen, damit hier wieder hochwertige medizinische Ausbildung, Versorgung und weitere Dienstleistungen für den Bedarf im In- und Ausland angeboten werden konnten. Während die grundlegende Renovierung des vorhandenen Gebäudekomplexes von der DEZA finanziert und von der Schweizer NGO Solidarmed umgesetzt wurde, übernahm die Novartis Stiftung die notwendigen Modernisierungen und Neubauten sowie die Ausstattung der Schulungsräume, Unterkünfte und Laboratorien.

Um auch langfristig die Ausbildung auf hohem Qualitätsniveau zu sichern, achteten die Partner gezielt darauf, die institutionelle und finanzielle Unabhängigkeit des Zentrums zu stärken. Vor diesem Hintergrund wurde das TTCIH zunächst in eine semiautonome Einrichtung umgewandelt, die immer noch dem Gesundheits- und Sozialministerium untersteht, jedoch von einem eigenen Vorstand geleitet wird. Die Novartis Stiftung und das Schweizerische Tropeninstitut sind Mitglieder des Vorstands, den Vorsitz hat das Ministerium. Ermöglicht wurde dies durch Reformen, die im tansanischen Gesundheitssektor bereits durchgeführt worden waren und deren Kernelement die Dezentralisierung und Stärkung der Gesundheitsbehörden und -einrichtungen auf Regionen- und Distriktebene war. Zum Zweiten wurde das Management intensiv professionalisiert und mit mehr Entscheidungsgewalt ausgestattet (E). Insbesondere durch die Einstellung eines Direktors, der als Spezialist für medizinische Ausbildung bereits umfassende Erfahrung in unterschiedlichen Positionen sowohl im tansanischen Gesundheitssystem als auch im Ausland gesammelt hatte, konnte das Profil des Zentrums als seriöse Einrichtung mit thematischer Kompetenz bereits geschärft werden. Neben dem finanziellen und administrativen Management (E) verfügt das TTCIH auch über ein Team, das sich mit Kundenpflege und Marketing für das Zentrum mittels Website, Broschüren und persönlichen Gesprächen (C, D) befasst. Ein System für nachhaltige Instandhaltung mit einem Kernteam aus verschiedenen Handwerkern (z.B. Elektriker, Klempner, Schreiner, Gärtner und Reinigungspersonal) ist ebenfalls eingerichtet worden (F). Die Novartis Stiftung unterstützt das Zentrum nicht nur durch Budgethilfen als finanziellen Lohn für das Erreichen von Meilensteinen, die vorher auf Grundlage des Strategieplans des Zentrums gemeinsam festgelegt wurden, sondern sie leistet auch fachliche Hilfestellung in den Bereichen Aufbau von Managementkompetenz, Finanzen, Marketing und Instandhaltung. 


Stand der Entwicklung

Die bisher gemachten Fortschritte stimmen optimistisch: Dank der Aufwertung des Zentrums unter anderem durch die Einstellung von Lehrpersonal für medizinische Fachgebiete wie Gynäkologie und Pädiatrie konnte das Zentrum im Jahr 2005 den Kurs für Clinical Officer (CO) zu einer Ausbildung zum Assistant Medical Officer (AMO) hochstufen (A). Heute besuchen 80 Vollzeitstudierende den AMO-Kurs. Die Umstellung erfolgte auf den ausdrücklichen Wunsch des Gesundheits- und Sozialministeriums, damit mehr höher qualifizierte AMOs für die Arbeit auf Distriktebene ausgebildet werden, um so die gesundheitliche Situation insbesondere der Menschen auf dem Land zu verbessern.

Aufbauend auf seinem Alleinstellungsmerkmal – der einzigartigen Kombination von medizinischer Ausbildung, Forschung und Praxis in Ifakara – und nach erfolgter Identifizierung thematischer Nischen im Bereich der Gesundheitsausbildung, hat das Zentrum 2008 die Erweiterung seines Kursangebots in Angriff genommen (B). Neben der Ausbildung zum AMO und Auffrischungskursen für Clinical Officers wird nun erstmals ein Kurs zum Thema „Senkung der Müttersterblichkeit mit eingeschränkten Ressourcen: Aus Erfahrung lernen“ angeboten – ein thematischer Schwerpunkt des Zentrums. Darüber hinaus wurde eine Partnerschaft mit der US-amerikanischen University of Columbia zum Thema Mutter-Kind-Gesundheit geschlossen. Und nicht zuletzt halten in den Einrichtungen des TTCIH auch externe Anbieter Kurse ab, z.B. das Schweizerische Tropeninstitut. Zudem wurden für Kunden wie die Universität Athen oder die Tony Blair Foundation massgeschneiderte Kurse entwickelt.

Die Bilanz für das Jahr 2008 fällt extrem erfreulich aus: Das TTCIH erzielte Bruttoeinnahmen von USD 480 000 aus Teilnahmegebühren, Mieten (Unterkünfte, Seminarräume, Häuser usw.) und weiteren Leistungen, die Unterstützung durch Fördermittel der Novartis Stiftung und des Gesundheits- und Sozialministeriums nicht mitgerechnet. Damit konnte das Zentrum die Unterstützung durch die Novartis Stiftung durch eigene Einnahmen praktisch aufwiegen. Das bedeutet, dass die laufenden Kosten für Instandhaltung und Reparaturen, Personal und Unterrichtsmaterialien sowie kleinere Investitionen beinahe ohne externe Hilfe finanziert werden konnten.

Im 2009 betrugen die Bruttoeinnahmen sogar USD 1‘089‘000 (bzw. USD 260‘000 Nettoeinnahmen). Nach Abzug aller Kosten hat das TTCIH Ende 2009 damit USD 477‘000 in Barmitteln zur Verfügung.


Künftige Herausforderungen

Neben der weiteren Optimierung des Finanzmanagements und der internen Instandhaltungsprozesse wird das Zentrum insbesondere daran arbeiten, seine Personalressourcen noch besser auf die strategischen Ziele der Organisation auszurichten. Der Bereich Corporate Learning der HR-Abteilung von Novartis wird das Zentrum darin unterstützen, Führungskompetenzen auszubauen, die Zuteilung vorhandener Human Resources innerhalb des Zentrums zu optimieren und zusätzlichen Personalbedarf zu identifizieren, damit die Organisation ihre strategischen Ziele besser erreichen kann.

Ausserdem wird das Zentrum seine thematischen Kernbereiche Mutter-Kind-Gesundheit und klinische Medizin weiter ausbauen. In Kooperation mit dem Schweizerischen Tropeninstitut und mit Unterstützung durch die Novartis Stiftung wurde deshalb ein neues Projekt ins Leben gerufen: die Entwicklung eines E-Learning-Modul zum Thema Mutter-Kind-Gesundheit für den Einsatz im Rahmen der AMO-Ausbildung. Mit dieser E-Health-Strategie kann das Zentrum nicht nur sein eigenes Kursangebot ausweiten, sondern auch zum Ziel des Ministeriums beitragen, durch Fernstudien mehr qualifiziertes Personal für das Gesundheitswesen auszubilden.

 

 

Projekt-Telegramm

Land / Region
Tansania, Region Morogoro, Stadt Ifakara

Projektziele

  1. Steigerung der Qualität und Reichweite gesundheits-bezogener Kurse, Ausbildungs-einrichtungen und damit zusammenhängender Leistungen
  2. Stärkung der institutionellen und finanziellen Eigenständigkeit des Ausbildungszentrums

Zielgruppen
Studierende in Ausbildung zum Assistant Medical Officer (AMO), Teilnehmer an anderen Kurz-Ausbildungsgängen für Gesundheitsberufe, die vom Tanzanian Training Centre for International Health ausgerichtet oder dort abgehalten werden

Partner
Gesundheits- und Sozialministerium, Schweizerisches Tropeninstitut (STI), Ifakara Health Institute (IHI), Saint Francis Designated District Hospital (SFDDH)

Fachliche Unterstützung
Schweizerisches Tropeninstitut (STI), private Beratungsunternehmen (Unterstützung bei Finanzmanagement, Marketing, Instandhaltung der Infrastruktur), Novartis Human Resources Abteilung

Projektdauer
2009–2012

Projekt-Webseite
www.healthtraining
ifakara.org