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Projekt

REPSSI: Psychosoziale Unterstützung für Kinder in Gefahr



Infolge von AIDS wachsen in Afrika südlich der Sahara Millionen von Kindern ohne Eltern auf. Die Pandemie gefährdet ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, manchmal sogar ihr Überleben und wirkt sich zudem negativ auf die allgemeinen Entwicklungsperspektiven der jeweiligen Länder aus. Die Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung unterstützt die Regional Psychosocial Support Initiative for children affected by poverty, conflict, HIV and AIDS (REPSSI), deren Hauptziel darin besteht, Kindern und Jugendlichen zu helfen, Verluste zu verarbeiten und wieder Selbstvertrauen zu gewinnen.

Bisher hat die Initiative über fünf Millionen Kinder erreicht. Die in den letzten zehn Jahren stark gewachsene Organisation REPSSI gilt im Bereich der psychosozialen Hilfe als weltweit führend und wird von der Southern African Development Community (SADC), UNICEF, von Regierungen und anderen wichtigen Einflussgruppen getragen. In Zusammenarbeit mit 158 Nichtregierungsorganisationen bietet REPSSI Kurse und Instrumente für die psychosoziale Unterstützung von Kindern an, die ihre Eltern verloren haben, oder von Armut, Konflikten oder HIV/AIDS betroffen sind.


Notwendigkeit psychosozialer Unterstützung

Im Jahr 2009 waren weltweit 2,5 Millionen Kinder mit HIV infiziert. Darüber hinaus gibt es rund 16,6 Millionen Kinder, die durch AIDS einen oder beide Elternteile verloren haben. Die meisten von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara (89%). Kinder, Pflegekräfte und Familien von HIV/AIDS betroffener Gemeinden sind dramatischen Problemen ausgesetzt. Das Leiden von Kindern und Jugendlichen mit HIV-infizierten Eltern beginnt bereits vor deren Tod. Kinder tragen die Belastung für die Versorgung ihrer gesamten Familie. Sie gehen nicht mehr zur Schule, um ihre kranken Eltern pflegen oder Geld verdienen zu können. Kinder sind jedoch nicht in der Lage, für den Verlust des Haushaltseinkommens aufzukommen, wenn ihre Eltern nicht mehr arbeiten können. Deshalb mangelt es den Familien an Nahrungsmitteln, Kleidung, Medikamenten oder anderen Lebensnotwendigkeiten.

Die Not der Kinder geht jedoch über den Verlust ihrer Eltern und Bezugspersonen, ihrer materiellen und wirtschaftlichen Versorgung weit hinaus. Sie leiden oft an Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und Lebensfreude sowie am Verlust ihrer Ausbildungsmöglichkeiten, Hoffnungen und Zukunftsperspektiven. Aufgrund der Stigmatisierung von HIV/AIDS und deren Begleiterkrankungen werden betroffene Kinder von sozialen Institutionen ausgeschlossen. Bedingt durch Armut, Arbeit und/oder Pflegeverpflichtungen zuhause sind sie häufig gezwungen, sich aus dem Gemeinschafts- und Schulleben zurückzuziehen. HIV/AIDS hat auch verheerende Auswirkungen auf das seelische Wohlergehen von Kindern: Durch den Verlust eines Elternteils fallen Kinder in tiefe Trauer und Depressionen.


Zu den besonders gefährdeten Kindern zählen: 

  • Von HIV/AIDS betroffene Kinder. Sie leiden unter Stigmatisierung, psychischer und sozialer Not und chronischer Krankheit. Armutsbedingte Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria sind für die extrem hohe Sterblichkeitsrate von Kindern mitverantwortlich. Deshalb sollten öffentliche Gesundheitsmassnahmen in von HIV/AIDS betroffenen Gemeinden – neben der Gewährleistung kindgerechter antiretroviraler Behandlungen für infizierte Kinder – auch auf die Förderung der Allgemeingesundheit und des Wohlergehens von Kindern ausgerichtet sein.
     
  • Kinder, die mit chronisch kranken Erwachsenen zusammen
leben: Aufgrund des mangelnden Verständnisses der psychosozialen, wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen von Kindern chronisch kranker Eltern werden die Bedürfnisse betroffener Kinder von Versorgungsanbietern oft nicht wahrgenommen. Die Betreuung kranker und sterbender Verwandter stellt für Kinder eine enorme körperliche und seelische Belastung dar. Diese Kinder leiden unter mangelnder elterlicher Fürsorge sowie verschlechterten wirtschaftlichen Verhältnissen.
  • Durch AIDS und andere Ursachen verwaiste oder verlassene Kinder: Der Verlust eines Elternteils oder einer anderen Erziehungsperson ist für ein Kind eine einschneidende und langwährend schmerzliche Erfahrung. Die damit verbundenen Probleme erschweren sich, wenn beide Eltern sterben. Neben Krieg, Gewalt und Unfällen hat die Erwachsenensterblichkeit infolge von HIV/AIDS massgeblich dazu beigetragen, dass die Zahl der Waisen in Afrika südlich der Sahara dramatisch angestiegen ist. Die Bezeichnung „AIDS-Waise“ ist besonders stigmatisierend. Trotz der dahinter stehenden karitativen Intention fordern einige Fachleute, die Benutzung dieses Begriffs einzustellen.
  • Kinder in Pflegefamilien: Die Aufnahme von Waisen und anderen gefährdeten Kindern in Pflegefamilien aus der weiteren Verwandtschaft war in ganz Afrika schon vor der AIDS-Epidemie weit verbreitet. Durch die erhöhte Sterblichkeit von Eltern infolge von HIV/AIDS sind diese traditionellen Bewältigungsmechanismen schwer überlastet. Wenn Ressourcen überbeansprucht werden, um zusätzliche Versorgungsbedürftige aufzunehmen, sind Kinder in Pflegefamilien mit den gleichen Notlagen konfrontiert. Ausserdem sind Kinder sogar in ihren Pflegefamilien häufig Diskriminierung und Ausbeutung ausgesetzt.
  • Durch die AIDS-Pandemie indirekt betroffene Kinder: Unabhängig von der HIV/AIDS-Epidemie sind in afrikanischen Ländern südlich der Sahara viele Kinder auch aufgrund von Kinderarbeit, mangelndem Zugang zu Gesundheitsversorgung und Ausbildung, Konflikten oder Obdachlosigkeit gefährdet. Eine grosse Zahl dieser Kinder ist durch HIV/AIDS indirekt beeinträchtigt, da soziale Institutionen und Hilfsdienste nicht mehr funktionsfähig sind, wenn Lehrer, Versorgungskräfte von Gesundheitsdiensten und andere Beteiligte krank werden oder selbst Verwandte pflegen.
     

REPSSI: von lokalen Erfolgen zu regionaler Führungsposition

Die Regional Psychosocial Support Initiative for children affected by poverty, conflict, HIV and AIDS (REPSSI) wurde mit dem Ziel gegründet, die psychosoziale Betreuung und Unterstützung gefährdeter Kinder im östlichen und südlichen Afrika auszuweiten. Die Wurzeln der Initiative gehen auf zwei kleinere Modellprojekte zurück, die psychosoziale Hilfe anbieten: Das Masiye Camp, welches zur damaligen Zeit von der Heilsarmee in Simbabwe geführt wurde, und Humuliza in Kagera, Tansania. In Zusammenarbeit mit der schweizerischen Hilfsorganisation terre des hommes entwickelte und unterstützte die Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung seit 1996 das Pilotprojekt Humuliza, welches von HIV/AIDS betroffenen Kindern psychosoziale Betreuung anbietet. Die wegweisenden Programme von Humuliza sind mittlerweile international anerkannt.

Die Novartis Stiftung organisierte und unterstützte 2001 einen Think-Tank, aus dem REPSSI hervorging. Im Mai 2002 wurde die Organisation formell ins Leben gerufen – unterstützt durch ein Konsortium dreier internationaler Gründungsmitglieder: die Novartis Stiftung, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und die Swedish International Development Cooperation Agency (SIDA). Im Lauf der Jahre entwickelte sich REPSSI zu einer regional tätigen gemeinnützigen Organisation, die über ein Hauptsekretariat in Johannesburg, Südafrika, sowie unterregionale Büros in Tansania, Simbabwe und Sambia agiert.

Mittlerweile umfasst der Tätigkeitsbereich von REPSSI verbesserte psychosoziale Unterstützung für Kinder, die von Konflikten und Armut sowie HIV/AIDS betroffen sind. Die Initiative ist zudem von spezifischen psychosozialen Hilfsangeboten zu einer durchgängigen psychosozialen Unterstützung im Rahmen sämtlicher Programme von Partnerorganisationen übergegangen. Diesem hoch wirksamen Ansatz und dem enormen Wachstum der Initiative ist es zu verdanken, dass REPSSI heute als die weltweit führende Organisation im Bereich der psychosozialen Hilfe gilt und von Organisationen wie der Southern African Development Community (SADC) und UNICEF anerkannt wird.


Massstab für psychosoziale Hilfe im südlichen und östlichen Afrika

REPSSI bietet fachliche Unterstützung für psychosoziale Betreuung und Hilfe in 13 Ländern an: in Angola, Botswana, Kenia, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Südafrika, Swasiland, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe. Damit ermöglicht das Partnernetzwerk von REPSSI psychosoziale Betreuung für mehr als fünf Millionen Kinder und Jugendliche an 1’994 Projektstandorten im östlichen und südlichen Afrika. In Zusammenarbeit mit 158 Nichtregierungsorganisationen stellt REPSSI Kurse und Instrumente im Bereich der psychosozialen Hilfe zur Verfügung und trägt zur Interessenvertretung und Programmgestaltung bei. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören:
 

  1. Entwicklung und Verbreitung von Fachwissen und Instrumenten
    REPSSI entwickelt, akkreditiert und verbreitet innovative, evidenzbasierte und kulturell geeignete Methoden und Instrumente für psychosoziale Unterstützung und Betreuung von Familien, Kindern und Jugendlichen. Die Organisation schult Regierungsvertreter, gemeinnützige Organisationen und Gemeindepersonal.
     
  2. Fürsprache
    REPSSI tritt dafür ein, dass psychosoziale Unterstützung in staatliche und private Förderprogramme für Kinder und Jugendliche integriert wird – und zwar auf regionaler, nationaler und globaler Ebene. Aus der Unterstützung der SADC durch REPSSI gingen 2011 zwei entscheidende, regional gültige Strategiepapiere für die Sozialpolitik zur die Betreuung und Unterstützung der verletzbarsten Kinder und Jugendlichen hervor. Das Engagement von REPSSI sorgt für zunehmenden politischen Willen, höhere Mittel und verstärkte Unterstützung für ihre Partner.
     
  3. Entwicklung von Hilfsprogrammen
    Das gesteigerte Bewusstsein für die Notwendigkeit psychosozialer Unterstützung erhöhte die Anforderungen an REPSSI zur Bereitstellung des erforderlichen Fachwissens. Durch die Entwicklung relevanter Richtlinien und Pläne bietet REPSSI Regierungen fachliche Unterstützung an. So unterstützte REPSSI beispielsweise die tansanische Regierung bei der Entwicklung eines National Psychosocial Support Rahmenkonzepts und ist Mitglied des National Action Committee for Children Affected by AIDS in Südafrika. Einige Regierungen afrikanischer Länder, darunter Südafrika und Botswana, haben begonnen, die Programme und Materialien von REPSSI für die Umsetzung auf nationaler Ebene masszuschneidern.


REPSSI schult und betreut Nichtregierungsorganisationen der gesamten Region im Bereich psychosozialer Unterstützung. Partnerorganisationen setzen Hilfsprogramme auf Gemeindeebene um und bieten damit mehr als fünf Millionen Kindern Betreuung und Schutz. Seit ihrer Gründung hat sich REPSSI in der Region schnell zum grössten Netzwerk für psychosoziale Unterstützung entwickelt. Sie arbeitet unter anderem mit ChildFund, World Vision, UNICEF, Save the Children und dem Nelson Mandela Children’s Fund zusammen.

REPSSI hat erfolgreich einen offen zugänglichen Zertifikatslehrgang entwickelt, der insbesondere Gemeindepersonal in ländlichen Regionen ein Fernstudium für eine universitär anerkannte Qualifikation in der psychosozialen Unterstützung von Kindern ermöglicht. Bisher haben über 1’500 Personen in zehn Ländern Afrikas den Zertifikatslehrgang abgeschlossen.


Die Novartis Stiftung und REPSSI

Die Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung gehört zu den „Gründungsmüttern“ von REPSSI. Seit 2002 unterstützt die Stiftung in Zusammenarbeit mit anderen strategisch wichtigen Akteuren die Organisation, ihre Partner und Aktivitäten, um das psychosoziale Wohlergehen von Kindern zu verbessern, die von Armut, Kriegen und HIV/AIDS betroffen sind.

Im Jahr 2006 bot die Human Resources Abteilung von Novartis dem REPSSI-Management eine Führungs- und Managementschulung an. Die dank Novartis gewonnenen Fähigkeiten und Kenntnisse trugen zum langfristigen Erfolg von REPSSI bei. Auch Novartis Südafrika unterstützt REPSSI noch heute regelmässig durch Schulungs- und Beratungsmassnahmen.  

In Zusammenarbeit mit der Swiss Academy for Development (SAD) und REPSSI initiierte die Novartis Stiftung 2007 eine Forschungs-arbeit mit dem Ziel, die wesentlichen Elemente für ein wirksames Minimalpaket psychosozialer Betreuung zu ermitteln. Die Studie dokumentierte unter anderem eine hohe Prävalenz psychischer Probleme bei Kindern in ländlichen Gegenden Sambias und zeigte, dass Waisen und andere bedürftige Kinder häufiger an Depressionen erkranken (32,1%) als andere Kinder (20,8%). Waisen und andere notleidende Kinder sind zudem stärker von Ausgrenzung in Gemeinden sowie von Schikanen durch Gleichaltrige betroffen und fühlen sich zuhause benachteiligt. Kinder, die in Haushalten mit pflegebedürftigen chronisch Kranken oder getrennt von ihren Eltern leben, leiden unter ähnlichen wirtschaftlichen und sozialen Belastungen sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Diese Ergebnisse stellen den Mythos von der Belastbarkeit afrikanischer Kinder in Frage und sprechen dafür, dass psychosoziale Unterstützung auf der Ebene des einzelnen Kindes, der Familie und der Gemeinde notwendig ist, um den wirtschaftlichen sowie sozialen und psychosozialen Bedürfnissen betroffener Kinder gerecht zu werden. Die Ergebnisse werden einerseits in die Forschungsprogramme zurückfließen und andererseits relevanten Stakeholdern zugänglich gemacht. Letztlich besteht das Ziel dieser Forschungszusammenarbeit darin, in Bezug auf die Hilfe einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, indem evidenzbasierte Programme für betroffene Kinder und Familien gestärkt werden.


Zehn Jahre REPSSI 

2012 feiert REPSSI ihr zehnjähriges offizielles Bestehen. Dies bietet die Gelegenheit, die in diesen zehn Jahren erzielten beachtlichen Fortschritte zu rekapitulieren und zu würdigen. Im Hinblick auf die Zukunft ist es nach wie vor von grosser Bedeutung, sich der Verantwortung bewusst zu bleiben, die wir alle für die Betreuung und Unterstützung notleidender Kinder tragen. Kinder sind unsere Zukunft – egal, wo sie leben. 

Projekt-Telegramm

Land / Region
13 Länder im östlichen und südlichen Afrika

Ziel

  • Psychosoziale Unterstützung von Kindern, die von Armut, Konflikten und HIV/AIDS betroffen sind
  • Verbesserung des Zugangs zu Ausbildung, Gesundheitsdiensten, HIV-Beratungen und -tests sowie der Einhaltung medikamentöser Behandlungen und antiretroviraler Therapien
  • Verringerung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV/AIDS

Zielgruppen
Kinder und Jugendliche, die von Armut, Konflikten und HIV/AIDS betroffen sind, sowie deren Familien und Gemeinden

Partner
Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Swedish International Development Cooperation Agency (SIDA), Norwegian Agency for Development Cooperation (NORAD), 
UNICEF, AusAid, Symphasis, Southern African Development Community (SADC) und mehr als 150 Nichtregierungsorganisationen

Technische Unterstützung
Swiss Academy for Development (SAD), Novartis Human Resources Abteilung

Projektbeginn
2002

Projekt-Webseite
www.repssi.org